Finanztest Jubelt Riester Rente hoch


„Finanztest“ jubelt Riester-Renten hoch
Finanztest 10/08 hat Riester-Renten getestet und die von HanseMerkur und CosmosDirekt als die
„Besten“ deklariert und als „sehr gut“ benotet. Wir haben das Beispiel von CosmosDirect nachgerechnet,
in dem ein 40-jähriger allein stehender Mann 27 Jahre 1.046 € jährlich einzahlt, dazu eine
staatliche Prämie von 154 € jährlich erhält, und der ab vollendetem 67. Lebensjahr eine lebenslange
Rente von 2.016 € (Garantie) bzw. 3036 € (geschätzt bei Überschuss) ausbezahlt bekommen soll.
Wir wollten wissen: Wie hoch ist die Rendite der ausgezahlten Renten in Abhängigkeit der dem
Riester-Rentner verbleibenden Jahre nach dem vollendeten 67. Lebensjahr?
Anders formuliert: Wieviel Jahre nach vollendetem 67. Lebensjahr muss er die Rente bezogen
haben, damit sie eine (Nominal-)Rendite zwischen – 1,0 % und + 4,5 % erbracht hat?
Beispiel:
Alleinstehender Mann ohne Kinder
27 x Jährliche Einzahlungen
Eig.Leistung p.a. 1.046,00
Prämie p.a. 154,00
G-Rente p.a. (Garantie) 2.016,00
X-Rente (mit Überschuss) 3.036,00
X-Rente G-Rente
E / A 2,902 2,530 1,927 1,680
Einz. / 1046 / 1200 / 1046 / 1200 /
Ausz. 3036 3036 2016 2016
Zins p.a. oPzuXR mPzuXR oPzuGR mPzuGR
-1,0% 7,8 8,9 11,6 13,2
0,0% 9,3 10,7 14,0 16,1
1,0% 11,3 13,1 17,5 20,4
2,0% 14,1 16,5 23,1 27,6
2,5% 16,0 19,0 27,4 33,6
3,0% 18,5 22,3 34,0
4,0% 26,7 34,8
4,5% 34,8 Jahre nach 67
Leseprobe: Von einer bestimmten Rendite senkrecht nach oben kommt man zu den jeweiligen Mindestbezugsjahren
und von einem bestimmten Bezugsjahr nach 67 kommt man waagrecht zur erzielten
Verzinsung bei der X- oder der G-Renten, bezogen auf die Einzahlungen ohne und mit Prämie.
Tabelle und Diagramm zeigen, dass erst nach 14 bzw. 16 Jahren Rentenbezug eine schwarze 0 an
Rendite der G-Rente erbracht wird, d.h. nominal ist jetzt Einzahlung gleich Auszahlung. Die Prämie
verlängert in diesem Fall die Rentenzahlung um etwa 2 Jahre. Das Alter von 81 bis 83 Jahren entspricht
in etwa der Lebenserwartung eines Mannes nach Vollendung des 67. Lebensjahres, je nach
verwendeter Sterbetabelle. Bei der prognostizierten X-Rente würde die schwarze 0 an Rendite schon
früher erreicht, nach 9,3 bzw. 10,7 Jahren Bezugszeit. Um 3,0 % Rendite zu erzielen, muss man bei
der G-Rente schon über 100 werden , bei der unsicheren X-Rente sind das 85,5 bzw. 89,3 Jahre –
von Inflation, Steuern und Abgaben mal ganz zu schweigen.
Für solche Renditen braucht man keine Riester-Rente. Da reicht schon eine gängige Sparanlage –
auch ohne staatliche Prämie. Die Prämie steigert die Rendite in diesem Beispiel nur um etwa 0,5 %,
obwohl man bei einer Prämie von 14,34 % auf die Eigenleistung (154 zu 1046 €) auf den ersten Anschein
mehr vermutet. Wenn die Beispiele von HanseMerkur oder CosmosDirekt mit der Note „sehr
gut“ als die „Besten“ deklariert werden, obwohl sie nach unserer Analyse gerade als „ausreichend“
gelten können, wie schlecht müssen dann erst die anderen Beispiele sein, die ein „gut“ oder „befriedigend“
von „Finanztest“ bekommen haben.
Auch die Einschätzung der Überschussbeteiligung durch „Finanztest“ ist zu optimistisch.
Was von den Beiträgen plus Prämie angelegt wurde, welche Erträge diese Anlage erbringt und was
nach Abzug aller „Spesen“ als Anlageerfolg für die Riester-Rentner netto übrig bleibt, wird weit unter
den Werten der „Boomjahre“ liegen, auf die „Finanztest“ seine optimistischen Bewertungen einseitig
und leichtfertig aufbaut.
Das Guthaben, das im konkreten Fall zur Anlage kommt, ist das, was vom Sparanteil des Beitrages
nach Abzug der Kosten der Versicherung übrig bleibt. Bisher auf die ersten 10 Jahre der Beitragszahlung
verteilt, kann der Kostenabzug jetzt schon auf 5 Jahre verteilt werden. (Warum wohl?).
Nur das dann verbleibende „Netto 1“ steht für eine Anlage zur Verfügung. Von Brutto-Ertrag der
Anlage gehen noch Spesen ab, die aus der Anlage selbst entstehen, sowohl für eigene als für auch
fremde Dienste. Aus diesem verbleibenden „Netto 2“ geht die Garantieverzinsung ab. Das dann
noch verbleibende „Netto 3“ wird „weitgehend“ (so die Meinung von „Finanztest“) an die Kunden
weitergegeben. Die entsprechende „Ausschüttungsquote“ bestimmt dann die Überschussbeteiligung,
d.h. das „Netto 4“, das die garantierte Rente aufstocken soll.
Früher wurde dieser meist sehr optimistisch geschätzte Aufstockung der Garantierente viel stärker in
den Vordergrund gestellt. In den Zeiten der weltweiten Finanzkrise ist man da sehr zurückhaltend
geworden, auch bei „Finanztest“. Sie beschränken sich darauf, für CosmosDirect den allgemeinen
prozentualen Anlageerfolg von 2007 (= 5,1 % mit 50 % Gewichtung), von 2006 (=5,1 % mit 30 %
Gewichtung) und 2005 (=5,5 % mit 20 % Gewichtung) anzugeben. Es handelt sich um 3 Boomjahre
bei der Wertpapieranlage, wie die Steigerungen des Dax in dieser Zeit zeigen. Aufgrund der gesetzlichen
Anlagevorschriften wären die Steigerungsraten für gemischte Anlagefonds der bessere Vergleichsmaßstab
und dann auch nicht nur für 3 Boomjahre, sondern für mindestens einen Konjunkturzyklus
(etwa 7 Jahre) oder zwei Konjunkturzyklen (etwa 15 Jahre) und dann gleichgewichtig.
Dazu gibt es genug statistisches Material, das „Finanztest“ hätte nutzen können. Zudem sind die von
„Finanztest“ der Berechnung des Anlageerfolges zugrunde gelegten Bilanz-Positionen in der Regel
Ergebnis einer „kreativen“ Bilanzgestaltung der Finanzkonzerne.
Die geringe Qualität bei der Bewertung der möglichen Überschüsse und der entsprechenden Aufstockung
der Garantierente bestätigt um eines mehr unsere Aussagen zur Qualität der Bewertung der
Rendite der Garantierente durch „Finanztest“.
In der „Wirtschaftswoche“ wurde die Frage, wie denn ein Anleger die Auswirkungen der internationale
Finanzkrise wahrnimmt, wie folgt beantwortet: Z.B. Durch die Mitteilung seines Versicherers,
dass diesmal die Überschussbeteiligung ganz oder teilweise entfällt.
Die Preisfrage bleibt nach allem: Wem dient „Finanztest“ mit seiner Bewertung wirklich, den Interessen
der Verbraucher oder denen der Finanzkonzerne und ihrer Profiteure, einschließlich der entsprechenden
Profilierung von Herrn Tennhagen?
———-
Für mathematisch Interessierte hier die Bestimmungsgleichung für die Auszahlungsjahre a in Abhängigkeit von der
Rendite z = q – 1 in % p.a. oder q = 1 + z bei bekannten Werten von A, E und e.
A = Jahresrente (= 2016 € als Garantie-Rente oder 3036 € mit geschätzten Überschüssen als X-Rente )
E = Jahresbeitrag: Ohne Prämie = 1046 € oder mit Prämie = 1200 €, je nachdem
e = Zahl der Jahre mit Einzahlungen
a = Zahl der Jahre mit Auszahlungen
a = ln [ 1 / ( 1 – E / A * (q “hoch e” – 1 ) ] / ln q
Verfasser: Walter Erb, Dipl.-Wirtschaftsingenieur (TU DA), Sprecher DGB-Stadtverband Darmstadt
Mail to: Walter.Erb@t-online.de

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